Wing Tzun – die Kunst der Selbstverteidigung
2. August 2010 von Wenzel
Es gibt viele Arten der Selbstverteidigung. Eine davon ist die chinesische Kampfkunst Wing Tzun.
Es heißt, dass Wing Tzun vor mehr als 250 Jahren in China von einer Nonne, Äbtissin eines Shaolin-Klosters, der legendären Ng Mui , zusammen mit der Yim Wing-Chun, ihrer ersten Schülerin, entwickelt wurde. Die letzte gab diesem Kampfstil ihren Namen.
Zunächst war es so, dass Wing Tzun nur an Familienmitglieder und enge Vertraute weitergegeben wurde und deshalb bis Anfang des 20. Jahrhunderts kaum bekannt war. Der Großmeister Yip Man war derjenige, der gegen Mitte des 20. Jahrhunderts in HongKong erste WT-Schulen eröffnet hat. Sein wohl berühmtester Schüler ist Bruce Lee, der später nach Amerika ausgewandert ist und dort Elemente des WT verwendete, um seinen eigenen Kampfstil zu entwickeln.
Nach Europa kam Wing Tzun erst vor ca. 30 Jahren durch Dai-Sifu K.K. Kernspecht.
Die Tatsache, dass Wing Tzun von einer Frau entwickelt wurde, spricht für sich. Die vielfach erprobten und perfektionierten Techniken erlauben es Frauen, auch gegen männliche Gegner zu bestehen, oder, allgemein formuliert, physisch schwächeren Personen sich gegen die Übergriffe von physisch Stärkeren zu schützen. Aber warum und wie ist so was möglich, fragt man sich?
WT ist ein ausgeklügeltes Kampf-System, welches nicht auf akrobatischen Fähigkeiten oder körperlicher Stärke und Muskelkraft basiert. Es beinhaltet vergleichsweise wenige, jedoch sehr effektive Bewegungen, die aus Tastreflexen abgeleitet werden, und man lernt dabei, die Kraft des Gegners auszunutzen und schließlich gegen ihn selbst zu verwenden. Vergessen Sie äußerlich spektakuläre ausladende Bewegungen, Sprünge, kunstvolle Drehungen und Ähnliches – all das werden Sie beim WT nicht finden.
WT ist kein Kampfsport. Es gibt darin keine Meisterschaften oder Wettbewerbe, darauf ist WT nicht ausgelegt. Dieses ist ganz wichtig – man muss sich vor Augen führen, dass dies tatsächlich eine Kampfkunst ist, die realitätsnah und kompromisslos ist und darauf abzielt, einen echten Gegner auf dem schnellsten Weg aus dem Gefecht zu bringen. Und gleichzeitig ist sie auch sehr weise und “friedfertig” – von einer sehr schönen Lebensphilosophie gehalten, die dem Zen-Buddhismus, dem Konfuzianismus und dem Daoismus entwächst, lehrt sie einen, Respekt vor dem Gegenüber zu haben, Ruhe zu bewahren, Provokationen souverän aus dem Weg zu gehen und Vieles mehr.
Folgende Vorteile bietet das Wing Tzun-Training:
Neben dem eigentlichen Ziel, die Selbstverteidigung zu erlernen, trainiert man Reflexe und Reaktionsvermögen, man übt Konzentrationsfähigkeit, allgemeine körperliche Fitness und Kondition, und man lernt Selbstvertrauen zu haben. Ganz nebenbei lernt man auch, sich zu entspannen, da einige Trainingsinhalte eine meditative Funktion mit beinhalten. All das kommt einem auch im Alltag zugute! WT ist außerdem sehr rücken-und gelenkefreundlich und ist wirklich für Alle geeignet, unabhängig vom Alter, Geschlecht, Beruf und sportlicher Kondition.
Ich von meiner Seite empfehle jedem Interessierten einfach mal einige Probe-Trainings mitzumachen. Es gibt viele Schulen, und sicherlich bieten die meisten kostenlose Probe-Trainings an. Im Großraum Ostwestfalen-Lippe kann ich z.B. die Schule von Sifu Andrea Kesting empfehlen. Kontaktdaten lassen sich recht einfach nachgooglen.
Noch einen Tipp habe ich für euch:
2008 wurde in Hongkong erstmals ein Spielfilm über WT gedreht, in dem es um die Biografie des Großmeister Yip Man geht. Er heißt auch so: “Ip Man” . 2010 wurde der Film mit einem Sequel fortgesetzt. Ich kann beide Teile nur empfehlen, denn sie bieten einen guten Einblick in diese Kampfkunst und sind nebenbei gesagt sehr spannend und unterhaltsam.
Beitrag von Jenny B.

